Harry potter: hbo-trailer enttäuscht – oder doch nicht?
Der Hype ist wieder da, die Erwartungen riesig – und der erste Trailer zur HBO-Neuauflage von Harry Potter und der Stein der Weisen lässt viele Fans enttäuscht zurück. Doch ist das wirklich so?
Ein hauch von hogwarts, ein schuss game of thrones
HBO hat den Schleier gelüftet, und was man sieht, ist zweifellos Harry Potter. Die vertraute Magiewelt, die steinernen Innenräume, die Roben der Schüler, die Zauberstäbe – alles ist da. Aber es gibt auch einen deutlichen Unterschied: HBO hat seinen eigenen, leicht desaturierten Look draufgelegt, der an eine düstere Mischung aus Harry Potter und Game of Thrones erinnert. Die Produktion ist hochwertig, das steht außer Frage, aber ob das unbedingt das ist, was die Fans wollen, bleibt abzuwarten.
Besonders interessant ist die Rückkehr zum Originaltitel Der Stein der Weisen. Ein subtiler Hinweis darauf, dass HBO versucht, sich von den ikonischen Filmen abzugrenzen, deren Schatten die Serie kaum entkommen kann. Ob das gelingt, wird sich zeigen. Die Wahl des Titels wirft allerdings auch Fragen auf: Wie werden die nachfolgenden Bände heißen? Die Kammer des Schreckens oder Der Gefangene von Askaban klingen in diesem Kontext etwas holprig.
Ein Blick zurück, ein Blick nach vorn
Der Trailer gewährt uns einen etwas längeren Einblick in Harrys tristes Leben vor Hogwarts. Dominic McLaughlin verkörpert den Jungen, der lebt, und zeigt ihn in all seiner Verlorenheit, misshandelt von seiner Tante Petunia (Bel Powley in einer überraschend modischen Interpretation der 90er-Jahre-Mutter). Doch dann kommt der Brief, die Begegnung mit Hagrid (Nick Frost) und der Ritt mit dem Hogwarts-Express – die bekannten Szenen, die jeden Potterhead sofort in Nostalgie versetzen.
Ein Detail sticht hervor: Severus Snape, gespielt von Paapa Essiedu, bleibt im gesamten Trailer seltsam stumm. Man hätte erwartet, dass seine Begrüßung von Harry mit einem eindringlichen „Mr. Potter“ für Aufsehen sorgen würde. Doch die Kontroverse um die Besetzung von Hermione (Arabella Stanton) und Snape könnte hier eine Rolle gespielt haben. Es ist bitter anzunehmen, dass die Marketingabteilung aus Angst vor negativer Resonanz auf diese Art und Weise versucht, potenzielle Kritikpunkte zu umgehen.
Die 90er und die abwesenheit des smartphones
Was die HBO-Serie zweifellos von den Filmen unterscheidet, ist die konsequente Einhaltung des 90er-Jahre-Settings. Retro-Mode für alle Charaktere, keine Smartphones oder AirPods bei Harry und Hagrid in der Unterwelt – das ist ein deutlicher Kontrast zu den Filmen, die sich im Laufe der Zeit dem Zeitgeist angepasst haben. Wer erinnert sich an Dudleys Clique in Harry Potter und der Orden des Phönix, die in Zoo York und Eckō-Bekleidung präsentierten? Ein deutliches Zeichen, dass die Zeit in den Film hineingeflossen ist.
Ob Harry Potter und der Stein der Weisen gut sein wird? Die bessere Frage ist: Wird es gut genug sein? Warner Bros. hat zweifellos ein großes Interesse daran, dass diese teure Produktion ein Erfolg wird. Doch angesichts der enormen Fußabdrücke der Filme und der wachsenden Müdigkeit der Zuschauer gegenüber Remakes und Reboots – ganz zu schweigen von J.K. Rowlings umstrittenen Positionen – steht der Serie ein steiniger Weg bevor. Die Marketingkampagne wird sich in ein echtes Trial by Fire verwandeln.
Für den Moment sehen wir Harry Potter, wie wir ihn kennen. Und das ist, ehrlich gesagt, nicht unbedingt schlecht. Aber ob es ausreicht, um die Erwartungen zu erfüllen, wird die Zeit zeigen.