„Believe me
Die neue ITV-Miniserie „Believe Me“ ist kein leichter Sehtrick. Sie ist eine schonungslose Auseinandersetzung mit den Verbrechen von John Worboys, einem der verurteiltesten Sexualstraftäter Großbritanniens, und noch vielmehr mit dem Versagen des Systems, das seine Opfer nicht glaubte. Wer hier auf eine gemütliche TV-Unterhaltung hofft, wird enttäuscht – und vielleicht auch wachgerüttelt.
Die eigentlichen opfer: frauen im kampf gegen unglauben
Während Daniel Mays eine beeindruckende Darstellung von Worboys liefert, rückt die Serie den Fokus bewusst auf die Frauen, die seine Taten erlebten und die bittere Erfahrung machten, dass ihnen kaum jemand glaubte. Der Fall Sarah, dargestellt in der ersten Episode, ist dabei exemplarisch. Sie wird befragt, missachtet und behandelt, als wäre sie selbst die Täterin – ein Schicksal, das leider viele Frauen teilen.
Harriet Wistrich, CEO des Centre for Women’s Justice, bringt es auf den Punkt: „Diese Serie zeigt, wie verheerend Ermittlungsfehler sein können und wie wichtig es ist, dass Überlebende die Möglichkeit haben, Institutionen zur Rechenschaft zu ziehen, wenn etwas schiefgeht.“ Die Serie entlarvt eine Kultur des Zweifels und der Schuldzuweisung, die es Opfern von sexueller Gewalt erschwert, Gerechtigkeit zu finden.
Die erschreckende Routine: Ein Blick hinter die Kulissen Das Gefühl der Frustration, das der Zuschauer empfindet, ist bewusst erzeugt. Szenen wie die des desorientierten Sarah im Krankenhaus, die von einer Krankenschwester abgetan wird, mit der beiläufigen Bemerkung, sie „etwas betrunken“ wirke, sind schmerzhaft. Oder die Frage eines Polizisten, ob Sarah vielleicht einfach vergessen habe, dass sie Sex hatte – eine Frage, die eine tiefgreifende Verurteilung impliziert.
Auch die Fixierung auf Sarahs gelegentlichen Kokainkonsum, der als Erklärung für ihre Erinnerungslücken dient, ist zutiefst problematisch. Es lenkt von der eigentlichen Tat ab und suggeriert, dass Sarah selbst für das Verbrechen verantwortlich ist. Die Tatsache, dass die Polizei den Namen des Taxifahrers nicht notierte, obwohl er sie direkt zur Polizeistation brachte, ist schlichtweg unfassbar.
Es ist eine Ansammlung von Fehlern und Versäumnissen, die den Zuschauer wütend machen und die Frage aufwirft, wie lange noch solche Ungerechtigkeiten andauern werden.

Ein notwendiger weckruf
„Believe Me“ ist keine leichte Kost, aber sie ist notwendig. Die Serie ist ein Weckruf für eine Gesellschaft, die immer noch zu oft Opfer von sexueller Gewalt nicht glaubt oder ihnen die Schuld gibt. Sie zeigt die Grausamkeit des Prozesses, Gerechtigkeit zu erlangen, und die bleibende Wirkung, die diese Erfahrungen auf die Betroffenen haben.
Die Serie wird zweifellos Diskussionen anregen und hoffentlich dazu beitragen, das Bewusstsein für die Notwendigkeit einer besseren Unterstützung und Behandlung von Opfern sexueller Gewalt zu schärfen. Es ist eine Geschichte, die erzählt werden muss, auch wenn sie unbequem ist.