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Genet's 'die dienerinnen': ein spiegelbild von macht und obsession in brooklyn

Die Bühne ist bereit für eine neue Interpretation eines Klassikers, der seit Jahrzehnten Theatermacher und Publikum gleichermaßen in seinen Bann zieht: Jean Genets 'Die Dienerinnen'. Lydia Wilson, Phia Saban und Yerin Ha verkörpern die komplexen Beziehungen zwischen zwei unterdrückten Dienstmädchen und ihrer mysteriösen Herrin in einer Neuinszenierung von Kip Williams, die ab Mai 2026 in Brooklyn zu sehen sein wird.

Ein moderner blick auf machtstrukturen

Ein moderner blick auf machtstrukturen

Williams' Adaption ist keine bloße Wiederholung des Originals. Er transponiert Genets Werk in die Gegenwart und verleiht Madame, brillant verkörpert von Yerin Ha, die Rolle einer Influencerin – eine Karikatur des unverdienten Privilegs und der Oberflächlichkeit unserer Zeit. Claire (Wilson) und Solange (Saban) agieren nicht nur als Hauspersonal, sondern auch als persönliche Assistentinnen und die einzigen nennenswerten sozialen Kontakte von Madame. Die Dynamik zwischen den drei Frauen ist von einer beklemmenden Spannung geprägt, die sich in einem Kreislauf aus Missbrauch und Fantasie entlädt.

Doch Williams' Inszenierung geht noch einen Schritt weiter. Er macht das Publikum selbst zum Voyeur, dessen Aufmerksamkeit die Handlung vorantreibt. Die sich öffnenden Vorhänge um Madame's luxuriöses Schlafzimmer schaffen eine Atmosphäre der voyeuristischen Spannung, die den Zuschauer in die Abgründe der menschlichen Psyche hineinzieht. „Es ist ein bisschen eine Offenbarung“, sagt Lydia Wilson über Williams' Adaption. „Ich habe es in einem Café gelesen, das er mir geschickt hat, und habe laut vor mich hin gelacht. Die Dreistigkeit, es so modern zu interpretieren und ihm einen solchen Dreh zu geben!“

Die Produktion, die bereits im Donmar Warehouse in London für Aufsehen sorgte, ist ein weiteres Beispiel dafür, wie West End-Produktionen erfolgreich nach New York transferiert werden können, ohne dabei ihre Stars zu verlieren. Yerin Ha, die bereits 2019 mit Williams an 'Lord of the Flies' in Sydney arbeitete, freut sich über die Möglichkeit, die Rolle erneut zu interpretieren. „Es ist ein Geschenk, zurückzukehren und die bereits erforschten Aspekte noch tiefer zu durchdringen“, so Ha.

Ha's Karriere erlebte in den letzten Monaten einen beispiellosen Aufschwung, als sie in der vierten Staffel von 'Bridgerton' als Sophie Baek die Hauptrolle übernahm. Diese Rolle hat ihre Perspektive auf die Rolle der Madame nachhaltig beeinflusst. „Ich verstehe Madame jetzt durch eine neue Linse“, erklärt sie. „Es ist eine sehr moderne Interpretation, die Materialismus, die Besessenheit von Jugend und Schönheit und die Rolle, die sie in unserer Gesellschaft spielen, beleuchtet.“

Williams' Inszenierung ist gespickt mit subtilen Anspielungen auf Follower-Zahlen, Designer-Labels und das Streben nach einer Titelseite in einem renommierten Magazin – allesamt Symbole für Reichtum und Status. Die Darstellerinnen meistern die Herausforderung, die Abgründe ihrer Charaktere zu erforschen, ohne dabei die Fassade der Attraktivität zu verlieren. „Wenn man das Glück hat, an etwas zu arbeiten, das genug Aufmerksamkeit erregt, um in der Presse erwähnt zu werden, gibt es diese seltsame Diskrepanz zwischen der Präsentation der ansprechenden Seite von sich selbst und der Erforschung des Schrecklichen in der Arbeit“, so Phia Saban.

Kip Williams' Regie ist geprägt von einer präzisen Wortwahl und einer tiefen Bedeutungsschicht. „Er färbt jedes einzelne Wort ein. Alles hat eine Bedeutung und eine Absicht dahinter“, ergänzt Yerin Ha. „Es war eine ziemliche Entwicklung für mich als Person und als Künstlerin, und auch für ihn. Jetzt sind wir an einem Punkt, an dem wir etwas wirklich Lustiges erschaffen können, ohne etwas zu zensieren.“

Die 'Die Dienerinnen' von Kip Williams sind ab dem 17. Mai 2026 im St. Ann’s Warehouse zu sehen und bieten eine verstörende, aber faszinierende Auseinandersetzung mit Macht, Obsession und der dunklen Seite der menschlichen Natur. Die Inszenierung ist ein Spiegelbild unserer Gesellschaft, in der der Wert des Menschen oft an äußeren Merkmalen und sozialem Status gemessen wird – und ein mahnendes Beispiel dafür, wie leicht die Grenzen zwischen Fantasie und Realität verschwimmen können.