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Der fall graham: wie eine krankheit die republik zerfraß

Lindsey Graham ist tot. Doch sein Ableben wirft ein düsteres Licht auf eine Krankheit, die seit Jahrzehnten die amerikanische Konservative frisst – eine Krankheit, die wie ein Prion das Denken infiziert und die Republik letztlich ruiniert hat. Ein politischer Zerfall, der sich in Graham's Karriere manifestierte, von einem vermeintlichen Rechtsstreiter zu einem willenlosen Vasallen eines selbsternannten Präsidenten.

Die wurzeln des übels: eine reise in die vergangenheit

Die wurzeln des übels: eine reise in die vergangenheit

Die Metapher der Prionenkrankheit passt hier erschreckend gut. Sie schlich sich langsam ein, bereits 1964, als die Republikaner ihren Kurs von Wall Street in die Südstaaten verlagerten – ein Umfeld, in dem die Schatten der Apartheid noch lange nicht verschwunden waren. Der Aufstieg Ronald Reagans im Jahr 1980 beförderte eine neue, besonders aggressive Variante dieser Krankheit, genährt von politisch instrumentalisiertem religiösen Eifer. Der Sieg Bill Clintons 1992 markierte einen ersten Ausbruch, bei dem Graham eine der ersten Opfer war.

Die sogenannte „Great Penis Hunt“ von 1998, der Impeachment-Prozess gegen Clinton, offenbarte Graham's anfängliche, noch intakte Moral. Er sprach von „high crimes“ als Verletzungen von Schwächeren durch Mächtige – Worte, die heute bitter ironisch klingen. Doch diese kurze Phase der Klarheit war nur ein Déjà-vu, eine trügerische Episode in einem langen, beschämenden Abstieg.

Die Macht als Sucht: Ein Teufelskreis

Graham wurde zu einer allgegenwärtigen Figur, stets auf der Suche nach Krieg und Konflikten. Die Krankheit schlug in spektakulären Ausbrüchen zu, vor allem in den letzten zehn Jahren, als sie sich von einer chronischen zu einer progressiven Degeneration entwickelte. Eine besonders virulente Variante, eingeführt von der aktuellen Präsidentschaft, fraß systematisch an den höheren Gehirnfunktionen. Graham wurde zum Träger, zum lebenden Beweis der Krankheit.

Seine Redegewalt während der Anhörungen zu Brett Kavanaugh, eine groteske Zurschaustellung von Opportunismus, übertraf selbst die wutentbrannte Hysterie des Nominierten selbst. Es war nicht der Präsident, den er umschmeichelte, sondern die Macht, die dieser repräsentierte – ein Teufelspakt, der Graham's Integrität vollständig auslöschte.

Die Prionenkrankheit ernährte sich von Macht, genau wie HIV von T-Zellen. Der finale Triumph dieser Krankheit über Graham kam nach dem Sturm auf das Kapitol am 6. Januar 2021. Er sprach von einer „hell of a journey“ mit Trump, doch nur wenige Stunden später fragte er sich, ob man ohne Trump überhaupt vorankommen könne. Ein tragischer Widerspruch, der den Niedergang eines Mannes dokumentierte.

Und dann kam die Nachricht: Lindsey Graham sei „ein wenig müde“ gewesen, als er mit Trump sprach, so der Präsident. Eine kaum zu übertreffende Verhöhnung, mit der Trump Graham's Tod politisch instrumentalisierte – als bloßen Ballast für seine eigenen Interessen. Er starb als Material, als Brauchbares für den politischen Zirkus.