Die bühne bebt: 'girl, interrupted' feiert fulminantes comeback!
New Yorks The Public Theater erlebt gerade einen derart bewegenden und intensiven Theaterabend, dass er das Publikum noch lange begleiten wird: Eine neue Inszenierung von 'Girl, Interrupted', basierend auf Susanna Kaysens autobiografischem Roman, ist angelaufen. Wer dachte, der Film mit Winona Ryder und Angelina Jolie habe die Geschichte erschöpfend erzählt, irrt gewaltig.
Ein blick in die abgründe der seele
Die Geschichte ist bekannt: 1967 wird die 18-jährige Susanna Kaysen nach einem Selbstmordversuch in die psychiatrische Klinik McLean Hospital eingeliefert. Dort verbringt sie zwei Jahre, beobachtet und freundet sich mit ihren Mitpatientinnen an. Doch die Bühnenadaption von Martyna Majok, mit Musik von Aimee Mann und Choreografie von Sonya Tayeh, taucht tiefer ein als je zuvor. Regisseurin Jo Bonney schafft eine Atmosphäre, in der die Bühne selbst zum Spiegelbild von Susannas innerer Zerrissenheit wird – ein Ort, der gleichermaßen die Mauern der Klinik und die Labyrinthe des Geistes darstellt.
Was Majok an Kaysens Werk faszinierte, war ihre unvergleichliche Stimme, ihr trockener Witz und die klare, unverstellte Perspektive, mit der sie ihre außergewöhnlichen Mitpatientinnen porträtierte. „Sie hat diese Figuren mit einer unglaublichen Präzision und emotionaler Tiefe eingefangen, die den Leser in ihren Bann zieht“, so Majok.

Ein ensemble voller talent
Juliana Canfield verkörpert Susanna mit einer Verletzlichkeit und Stärke, die den Zuschauer sofort in ihren Bann zieht. Besonders hervorzuheben ist King Princess in der Rolle der Lisa, einer faszinierenden und gefährlichen Figur, die mit ihren microbangs und ihrer unberechenbaren Art für eine unvergessliche Präsenz sorgt. Ta’Rea Campbell, Gabi Campo, Mia Pak, Katherine Reis, Sally Shaw und Manoel Feliciano runden das Ensemble ab und verleihen der Geschichte zusätzliche Facetten.
Die Musik von Aimee Mann spielt dabei eine zentrale Rolle. Die Songs sind keine bloßen Unterbrechungen, sondern spiegeln die inneren Kämpfe und Unsicherheiten der Figuren wider. In einem besonders eindringlichen Moment singen die Frauen gemeinsam: „Was wird aus mir?“ – eine Frage, die jeden von uns irgendwann einmal beschäftigt.
Die Produktion scheut sich nicht, die dunklen Abgründe der menschlichen Psyche zu erforschen. Sie wirft unbequeme Fragen auf: Was bedeutet es, verrückt zu sein? Was bedeutet es, gesund zu sein? Und ist wahre Heilung überhaupt möglich? Die Verknüpfung von psychischer Krankheit und künstlerischem Genie wird dabei auf eindringliche Weise thematisiert – ein Blick auf berühmte Patienten von McLean Hospital wie Robert Lowell, Sylvia Plath und Ray Charles, die an der Grenze zwischen Wahnsinn und künstlerischer Genialität standen.
Um die emotionalen Anforderungen der Rollen zu bewältigen, arbeitet das Ensemble eng mit einer Intimitätskoordinatorin zusammen. „Es geht darum, am Ende des Tages einen Weg zu finden, sich von der Rolle zu lösen“, erklärt Gabi Campo. Ein Prozess, der für jeden Schauspieler anders aussieht, aber immer das Ziel hat, die eigene psychische Gesundheit zu schützen.
Susanna Kaysens Werk hat Generationen von Frauen geprägt, die sich in ihren Figuren wiederfinden. Mia Pak, die Grace spielt, ist dankbar für die Möglichkeit, diese Geschichten endlich auf die Bühne zu bringen. „Ich bin sicher, dass viele Menschen sich damit identifizieren und auch an ihre eigenen Lieben denken werden, die sie vielleicht bisher nicht ganz verstanden haben“, so Pak.
Die neue Inszenierung von 'Girl, Interrupted' ist mehr als nur ein Theaterstück. Es ist eine tiefgründige Auseinandersetzung mit den Abgründen der menschlichen Seele, ein Appell an die Empathie und ein Beweis dafür, dass Kunst auch aus den dunkelsten Erfahrungen Licht entstehen lassen kann. Die Aufführungen haben bereits begonnen und versprechen ein unvergessliches Theatererlebnis.