Die suche nach der seelenverwandten: warum freundschaften anders aussehen, als wir dachten

Wir alle kennen sie, die Vorstellung vom perfekten Frauenkreis aus Sitcoms und Filmen: Unzertrennliche Freundinnen, die uns durch dick und dünn begleiten, uns den Rücken freihalten und mit uns lachen und weinen. Doch was passiert, wenn die Realität anders aussieht? Ruta Zemaityte, eine junge Frau, die sich mit diesem Dilemma auseinandersetzt, teilt ihre Erfahrungen und wirft einen kritischen Blick auf unsere Erwartungen an Freundschaften.

Die romantik der erwartungen: romcoms und die illusion der bestie

Zemaityte erinnert sich an ihre Jugend, geprägt von Romcoms und Serien wie „Friends“. Sie träumte von einer Karriere in einer Modemagazin, einer luxuriösen Wohnung und einer unerschütterlichen Truppe von besten Freundinnen, die immer für sie da sind. Ein Mann, der ihr ewige Liebe schwört, sollte das i-Tüpfelchen auf dieser perfekten Lebensgeschichte sein. Die Realität erwies sich jedoch als weniger glamourös. Ihr Job im Modebereich entsprach eher dem düsteren Klima von „The Devil Wears Prada“ als dem spritzigen Feeling von „How to Lose a Guy in 10 Days“ und ihre Beziehungen fühlten sich oft an wie ein beunruhigendes Kapitel aus „Girls“.

Den Mann fand sie schließlich – in der typischen Lockdown-Maniere über Dating-Apps und Spaziergängen. Ein etwas holpriger Start, inklusive eines unfreiwilligen Besuchs in einer öffentlichen Toilette kurz vor dem ersten Date, tat der Sache keinen Abbruch. Zwei Jahre später folgte der Heiratsantrag an demselben Ort – ein Moment, der sich tatsächlich wie aus einem Film anfühlte. Doch die Erfüllung des einen Traumes offenbarte ein neues Problem: das Fehlen der „BFF“, der besten Freundin, die alles abdeckt.

Der druck der perfekten freundschaft: eine erfindung der medien?

Der druck der perfekten freundschaft: eine erfindung der medien?

Die Sehnsucht nach dieser idealisierten Freundin wurde während der Hochzeitsplanung besonders deutlich. Zemaityte fragte sich, ob ihr Fehlen ein Zeichen ihres Versagens sei, ob sie nicht „die richtige“ sei. Dr. Claire Stubbs, eine renommierte Psychologin, erklärt, dass viele Frauen ein ähnliches Gefühl der Scham in Bezug auf ihre Freundschaften empfinden. „Wir werden ein sehr spezifisches Bild von erwachsener Freundschaft verkauft – sei es durch Serien wie ‚Sex and the City‘ oder durch die sorgfältig inszenierten Social-Media-Posts, die wir täglich sehen.“

Die Wahrheit, so Stubbs, ist oft viel komplexer. Karriere, Familie, finanzielle Belastungen und unterschiedliche Lebensphasen verändern die Dynamik von Freundschaften. Doch viele Frauen interpretieren diesen natürlichen Wandel als persönliches Versagen. Es geht nicht darum, eine Seelenverwandte zu finden, sondern darum, die Beziehungen zu schätzen, die wir tatsächlich haben. „Manchmal findet man Zugehörigkeit in einer Schwester, einem Nachbarn, einer Wandergruppe oder in Freundschaften, die über verschiedene Lebensabschnitte hinweg entstehen und vergehen.“

Die schattenseiten der digitalen freundschaft: vergleiche und unerfüllte sehnsüchte

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Soziale Medien verstärken diesen Druck noch. Unter jedem Foto von Mädchenausflügen und Brunchs tummeln sich Kommentare wie „Seelenverwandte“. Für diejenigen, die keine solchen „perfekten“ Freundeskreise haben, kann dies zu einem Gefühl des Mangels und zu einem ständigen Vergleich führen. „Ich beobachte in meiner Arbeit, dass viele Frauen nicht trauern, weil ihnen Freundschaft fehlt, sondern weil ihnen die Geschichte fehlt, die sie sich vorgestellt hatten.“

Es gilt, die Vorstellung loszulassen, dass Freundschaft immer ein bestimmtes Aussehen haben muss. Authentische Beziehungen sind unvollkommen, menschlich und echt. Vielleicht ist die Suche nach der einen großen Liebe in der Freundschaft der falsche Ansatz. Es ist die Summe der kleinen, unperfekten Beziehungen, die unser Leben wirklich bereichern.

Lowri Walsh, eine Psychotherapeutin, räumt ein: „Statt sich zu fragen, warum die eigenen Beziehungen nicht den Erwartungen entsprechen, sollten wir uns fragen, wie gesunde, realistische und bedeutungsvolle Beziehungen für uns in dieser Lebensphase aussehen können.“

Zemaitytes Schlussfolgerung ist erfrischend ehrlich: Ihr Fehler war nicht, ihre Freundschafts-Seelenverwandte nicht gefunden zu haben, sondern die Annahme, dass sie überhaupt nötig sei. Sie hat einen reichen Teppich aus unvollkommenen, aber wertvollen Freundschaften geschaffen – eine Sammlung von Geschichten, die das Leben eben so schreibt. Nicht ein einziges Märchen, sondern ein vielschichtiges, menschliches Gesamtbild.