Der fotograf, der geschichten fing: duane michals im porträt

Er war kein gewöhnlicher Fotograf, sondern ein Geschichtenerzähler mit der Kamera: Duane Michals, der am 9. Juni im Alter von 94 Jahren verstarb, hat die Kunst der Fotografie nachhaltig geprägt. Seine Werke sind mehr als nur Bilder; sie sind Sequenzen, Narrative, die den Betrachter in eine Welt aus Träumen und Reflexionen entführen. Wie der ehemalige Model Chris Royer treffend bemerkt, war die Arbeit mit Michals eine Art „kinscvadászat“ – eine ungarische Bezeichnung für eine Schatzsuche.

Der weg vom aquarell zum fotografischen erzählen

Geboren 1932 in McKeesport, Pennsylvania, zeigte Michals schon in jungen Jahren ein ausgeprägtes Interesse an der Kunst. Bereits mit 14 Jahren besuchte er Aquarellkurse am Carnegie Institute in Pittsburgh. Nach einem Studium an der University of Denver und einem Dienst in der Armee entschied er sich für ein Studium an der Parsons School of Design, mit dem Ziel, Grafikdesigner zu werden. Doch eine Reise in die Sowjetunion im Jahr 1958 veränderte alles. Die dortigen Aufnahmen entfachten eine Leidenschaft für die Fotografie, die ihn dazu bewegte, den Weg des Art Directors zu verlassen und stattdessen hinter die Kamera zu treten.

Michals und vogue: eine kreative partnerschaft

Michals und vogue: eine kreative partnerschaft

In den späten 1960er Jahren begann Michals, für Condé Nast Titel wie Vogue zu arbeiten. Eine seiner ersten Aufträge war ein Porträt von Johnny Cash für die Novemberausgabe von Mademoiselle im Jahr 1969. Anders als die meisten Porträts, die lediglich das Abbild des Subjekts wiedergeben, fotografierte Michals Cash durch ein Fenster und ließ sein eigenes Spiegelbild in das Bild des Stars einfließen – eine frühe Demonstration seiner künstlerischen Vision. Diese Bereitschaft, sich in seine Bilder einzubringen, wurde zu einem wesentlichen Bestandteil seines Werkes.

Michals’ Arbeit für Vogue in den 1970er und 1980er Jahren war vielfältig. Er fotografierte Robert Redford und Mia Farrow bei den Dreharbeiten zu Der große Gatsby, porträtierte die Balletttänzerin von San Francisco und die Schmuckdesignerin Elsa Peretti in ihrem legendären Atelier. Besonders hervorzuheben sind seine Arbeiten im Jahr 1976, als er die Frühjahrs- und Herbstkollektionen präsentieren sollte. Er schuf zwei völlig unterschiedliche Portfolios, die seine kreative Experimentierfreude und sein handwerkliches Können demonstrierten.

Für die Februar-Ausgabe von 1976 inszenierte Michals die Models als „arbeitsamtliche Frauen“ und ließ sie im Planungsraum der Vogue Redaktion posieren – dem Ort, an dem die Zeitschrift tatsächlich zusammengestellt wurde. Ein besonders beeindruckendes Bild zeigt Royer und eine weitere Model, die 35mm-Transparente sichten, während eine Mitarbeiterin der Redaktion vorbeihuscht, ein Vorgeschmack auf das, was Michals für den Herbst vorhatte. Später im Jahr entschied er sich für ein Studio, genauer gesagt das legendäre Carnegie Hall Studio des Fotografen Edita Sherman, die als „Duchess of Carnegie Hall“ bekannt war und dort über 60 Jahre lebte und arbeitete.

Christiaan, der bei einigen der Aufnahmen als Hairstylist tätig war, erinnert sich an Michals’ „etwas schüchterne, aber freundlich-entdeckungsfreudige Art“, die ihn schnell dazu brachte, „alle im Raum wie ein langsames Karussell zu inszenieren.“ Die entstandenen Bilder sind ein Höhepunkt in der Modefotografie und zeichnen sich durch eine selten zu findende Energie und Emotion aus. Auch wenn die Beteiligten anfangs nervös waren, spürten alle, dass sie an etwas Besonderem teilnahmen.

Michals’ Beitrag zur Fotografiegeschichte ist unbestritten. Kritiker Philip Gefter bezeichnete ihn in der New York Times treffend als „Künstler von bedeutender Konsequenz“ und nannte ihn den „Vater der fotografischen Erzählsequenz“. Seine Offenheit als homosexueller Mann in einer Zeit, in der viele Homosexuelle im Verborgenen lebten, unterstreicht seinen unabhängigen Geist und seine künstlerische Integrität.