Timothée chalamet: vogue-cover im niemandsland von nevada

Es war ein Shooting, das die Grenzen des Modejournalismus neu definierte: Timothée Chalamet auf der Dezemberausgabe von US Vogue, abgebildet von Annie Leibovitz. Doch der eigentliche Ort dieser scheinbar kosmischen Aufnahme ist weit weniger fantastisch, sondern umso faszinierender – Michael Heizers monumentales Kunstwerk „City“ inmitten der kargen Weite der Nevada-Wüste.

Ein tanz zwischen science-fiction und uralter zivilisation

Die Bilder fangen Chalamet ein, wie er inmitten geometrischer Formen wandelt, in einer Landschaft, die an den Übergang zwischen einer vergessenen Zivilisation und einem Science-Fiction-Traum erinnert. Die Ironie ist fast greifbar: Während Chalamet’s Cover an außerirdische Sphären erinnert, ist die Fotografie an einem Ort aufgenommen, an dem normalerweise das Fotografieren untersagt ist. Nur dank der Freundschaft zwischen Leibovitz und Heizer konnte dieses außergewöhnliche Projekt realisiert werden.

„City“ ist nicht nur eines der meistdiskutierten Kunstwerke unserer Zeit – sein Bau erstreckte sich über mehr als 50 Jahre, und seine schiere Größe ist atemberaubend – sondern auch eines der am schwierigsten zu dokumentierenden. In einer Ära, in der kulturelle Erfahrungen oft durch ihre Teilbarkeit definiert werden, besteht Heizers Meisterwerk auf etwas Archaisches: die unmittelbare Erfahrung vor Ort.

45°, 90°, 180° – Chalamet inmitten von Heizers Vision. Die Triple Aught Foundation, eine gemeinnützige Organisation in Nevada, verwaltet das Werk und gewährt nur etwa 200 Besuchern pro Jahr die Möglichkeit, es zu erleben. Der Südwesten der USA hat eine seltsame Art, das Gefühl von Größe zu verändern. Der Horizont erscheint oft wie eine Karikatur, eine trügerische Illusion.

Land art: eine reise durch die wüste

Land art: eine reise durch die wüste

Die Entstehung von Land Art in den späten 1960er Jahren in dieser Landschaft ist daher kein Zufall. Künstler verließen die Galerien und ergriffen die Wüsten, Salzflächen, Mesas und abgelegenes Gelände, um diese Orte sowohl als Kulisse als auch als Material zu nutzen. Anstatt Kunstwerke in der Natur zu platzieren, verwandelten Künstler wie Heizer, Robert Smithson und Nancy Holt die Natur selbst in das Kunstwerk.

Eine Reise durch die USA, insbesondere mit dem Auto, ist nach wie vor eine der lohnenswertesten Möglichkeiten, das Land zu erkunden. Meine Begeisterung für amerikanische Land Art begann schon als Teenagerin, als ich den Film „Crossroads“ mit Britney Spears sah. Die beste Art, Land Art zu verstehen, ist jedoch nicht chronologisch, sondern geografisch – auf einer Route, die am besten mit dem Auto erkundet werden kann.

Unsere Reise begann in Las Vegas, von wo aus wir uns auf den Weg machten, um Wahrzeichen wie das „World’s Largest Thermometer“ und den Souvenirladen „Alien Fresh Jerky“ zu besuchen. Wir hielten auch bei Ugo Rondinones farbenfrohen Skulpturen „Seven Magic Mountains“ an, die zwar nicht ganz mit traditionellen Vorstellungen von Land Art übereinstimmen, aber dennoch eine spielerische, menschliche Präsenz in die Landschaft bringen.

Von caesar’s palace zu heizers monument

Von caesar’s palace zu heizers monument

Nach einem wenig erfolgreichen Abend im Caesar’s Palace erreichten wir schließlich „City“. Dieses monumentale Erdwerk ist so schwer fassbar wie faszinierend. Wir nutzten die Gelegenheit, die uns gewährt wurde – Besucher müssen im Voraus buchen, und die Zahlen sind streng begrenzt –, um das Kunstwerk in vollen Zügen zu erkunden. Der 1,5 Kilometer lange Parcours ist eine surreale und gleichzeitig tief beruhigende Erfahrung. Das Werk besteht aus Ton, Sand und Gestein, die aus dem Inneren des Geländes gewonnen und neu geformt wurden. Die Triple Aught Foundation gewährt Besuchern drei Stunden Zeit zur Erkundung – eine Herausforderung, selbst für eine schwangere Person wie mich damals.

Amangiri, ein abgelegenes Resort in der Nähe von Canyon Point, Utah, ist ein weiteres Beispiel dafür, wie Land Art-Prinzipien in die Architektur integriert werden können. Das Resort wurde sorgfältig in die Landschaft integriert und nutzt die natürlichen Formationen als integralen Bestandteil des Designs. Die Natur ist hier nicht nur Kulisse, sondern Protagonist.

Double negative und der blick in die leere

Weiter ging es zu Michael Heizers „Double Negative“, ein Werk, das ich schon lange bewundere. Meine Freundin Clara Zevi, eine Kunstberaterin, hatte mir vor Jahren Fotos von ihrem Camping-Abenteuer unter den Sternen gezeigt, nachdem sie mit einer Gruppe von Künstlern eine ähnliche Land-Art-Reise unternommen hatte. „Als ich in meinen normalen Alltag zurückkehrte, schrieb ich eine Arbeit über Michael Heizer“, erzählt sie. „Ich fühlte mich, als hätte ich eine religiöse Erfahrung gehabt, die ich nicht ganz erklären konnte.“

„Double Negative“ besteht im Wesentlichen aus zwei Gräben, die sich auf beiden Seiten eines Canyons erstrecken. Das Werk thematisiert das, was fehlt, anstatt das, was vorhanden ist. Die schiere Größe des umgebenden Gesteins ließ mich über Außerirdische, Spiritualität und andere Ideen nachdenken, die ich normalerweise aus meinem Blickfeld verschiebe.

Die salzige melancholie von spiral jetty

Unsere Reise endete mit Robert Smithsons „Spiral Jetty“ am Ufer des Großen Salzsees. Dieses 1500 Fuß lange Kunstwerk aus Basaltgestein und Erde ragt in den Becken und ist mit weißem Salz überzogen. Der See, der das Werk einst bedeckte, ist nun weit entfernt und glänzt fast unsichtbar. Die salzige Luft und das knirschende Salz unter den Füßen vermitteln ein Gefühl der Melancholie und der Vergänglichkeit.

Die Land-Art-Roadtrip hat mir eine neue Perspektive auf die Landschaft eröffnet. Die Unterscheidung zwischen Kunst und Umgebung verschwamm, als ich zwischen „City“ und „Spiral Jetty“ stand – ein Effekt, den die Künstler wohl beabsichtigt hatten.

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