Die magie der transformation: schauspielerin heather agyepong über liebe, kunst und selbstfindung
Es ist ein Moment, der Heather Agyepong bis heute prägt: Mit 15 Jahren sah sie „Blood Brothers“ und war elektrisiert von der Darstellung des Alterns auf der Bühne. „Ich habe jedem gesagt: ‚Das ist Magie!‘“ erinnert sie sich. Nun feiert die talentierte Schauspielerin und Künstlerin in New York ihre US-amerikanische Premiere in Benedict Lombes „Shifters“ – ein Stück, das weit mehr zu bieten hat als bloße Bühnenzauber.
Eine liebe, die alles umfasst
„Zwei schwarze Charaktere, beide 32 und verliebt. Solche Geschichten sieht man selten auf der Bühne“, stellt Agyepong fest. „Es geht nicht nur um die Liebesgeschichte selbst. Es geht um das Leben, den Verlust, den Job, der nicht kommt, das Gefühl, zurückzubleiben – all das prägt die Beziehung. Sie ist rau, ungestüm. So ist die Liebe eben.“ Um sich in die Rolle der Des hineinzuversetzen, schöpfte sie Inspiration aus Filmen wie „If Beale Street Could Talk“, „In the Mood for Love“ und „Eternal Sunshine of the Spotless Mind“ – Werke, die die Komplexität menschlicher Beziehungen auf eindringliche Weise erforschen.
Lynette Linton, die Regisseurin, erkannte Agyepongs Talent bereits in Jocelyn Biohs „School Girls; Or, the African Mean Girls Play“ und ermutigte sie, für „Shifters“ auszuprobieren. Nach einer ausverkauften Aufführung am Bush Theatre in London und einer erfolgreichen West-End-Produktion ist das Stück nun in New Yorks Cherry Lane Theatre zu sehen. Agyepong wurde für ihre Darstellung sogar mit einer Olivier Award-Nominierung ausgezeichnet.

Die künstlerin und das spiegelbild
Des, Agyepongs Charakter, ist eine Malerin, die sich selbst treu bleibt – eine Eigenschaft, die Agyepong selbst als Kind in South London teilte. „Sie kümmert sich wenig darum, was andere denken. Sie blickt in sich selbst, so wie ich es in meiner Kunst tue“, erklärt sie. Agyepong, die sowohl Schauspielerin als auch visuelle Künstlerin ist, verfolgte lange keine kreative Karriere. Doch das Jahr mit 15 Jahren – ein Jahr der Wandlung – veränderte alles. Ihr Dramalehrer, Mr. Lord, erkannte ihr Talent und gab ihr Selbstvertrauen. Heute besucht er ihre Premieren.
Die Inspiration für ihre Kunst findet Agyepong oft in der Auseinandersetzung mit ihrer eigenen Psyche. Sie schöpft aus den Theorien von Carl Jung, Sigmund Freud und Søren Kierkegaard, um das Selbst zu erforschen. Ihre frühen Fotoarbeiten, wie „Too Many Blackamoors“, widmete sie vergessenen schwarzen Frauen und nutzte ihre Geschichten, um ihre eigene Identität zu erkunden. 2022 erschuf sie „ego death“, eine kathartische Werkreihe, die sich mit dem Konzept des Schatten selbst auseinandersetzt. „Es geht darum, die verborgenen und unterdrückten Seiten von uns selbst zu erkennen“, so Agyepong.
Anders als im Alltag, fühlt sie sich vor der Kamera selbst. „Die Kamera ist wie ein liebevoller, mitfühlender Blick“, sagt sie. Diese Empathie spiegelt sich auch in ihrer schauspielerischen Arbeit wider. Seit ihrem Debüt im Theater im Jahr 2015 jongliert sie mit Fotografie und Schauspiel – eine Balance, die sie stets aufrechterhalten möchte. „Ich bin eine Künstlerin, die in verschiedenen Medien arbeitet“, fasst sie ihre künstlerische Identität zusammen.
Die Verantwortung, als schwarze Frau in einer Hauptrolle auf der Bühne zu stehen, lastete zu Beginn ihrer „Shifters“-Zeit schwer auf ihr. „Man möchte niemanden enttäuschen, besonders wenn man selten schwarze Frauen in solchen Rollen sieht“, gesteht sie. Doch sie erkannte, dass Perfektionismus ihre Freude am Spiel raubte. Stattdessen konzentrierte sie sich darauf, Des zu verkörpern – eine „schrullige, chaotische, dunkelhäutige Frau mit Afro“, wie sie selbst sagt. „Es ging darum, zu atmen und die Schönheit des Seins zu genießen.“