Horrortrends: wenn die regeln das grauen erst kompliziert machen!

Erinnern Sie sich an die einfachen Regeln, die uns in „Scream“ beigebracht wurden? Keine Sexszenen, kein Drogenkonsum, und niemals das berüchtigte „Ich bin gleich wieder da“? Ein Leitfaden, der einst das Überleben in jedem Horrorfilm garantierte. Doch die Zeiten haben sich geändert. Die moderne Horrorkost ist so verschlungen, dass das Zuschauen selbst zur Geduldsprobe wird.

Die metaphern-hölle moderner serien

Nehmen wir die jüngste Netflix-Serie „Something Very Bad Is Going to Happen“. Die Prämisse? Die Hauptfigur muss bis Sonnenuntergang ihren Seelenverwandten heiraten, sonst ist sie dem Tod geweiht. Wer dieser Seelenverwandte ist? Nun, das ist im Grunde die gesamte Metapher. Und dann gibt es noch den kleinen Twist: Stirbt sie anstelle der Hochzeit, wird der Fluch auf die Familie ihres Verlobten übertragen. Ein Loophole? Bisher nirgends zu finden.

Die Duffer-Brüder, bekannt aus „Stranger Things“, scheinen diesen Trend fleißig weiterzupushen. In der letzten Staffel ihrer Erfolgsserie erklärten die Charaktere die unmittelbar bevorstehenden Ereignisse mit Haushaltsgegenständen – ein klarer Hinweis darauf, dass Netflix seine Produzenten dazu auffordert, Handlungspunkte für das Scrollen-Publikum zu wiederholen. Aber sie sind nicht allein.

Pennywise und die zeitreise

Pennywise und die zeitreise

HBO Max’s „IT: Welcome to Derry“ versuchte, Stephen Kings Horror-Klassiker neu zu interpretieren. Obwohl die Serie von vielen Fans als furchterregend gelobt wurde, führte die finale Episode der ersten Staffel mehrere neue Elemente in Pennywise’ Hintergeschichte ein. Demnach erlebt der Killer-Clown Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gleichzeitig. „Morgen, gestern, es ist alles dasselbe für kleinen Pennywise!“, verkündet Bill Skarsgårds Darstellung. Als wäre ein unsterblicher, sich verändernder Alien-Clown, der sich von Angst ernährt, nicht schon kompliziert genug.

Die Antwort auf die Frage, wie Pennywise außerhalb der Zeit existieren kann, bleibt weiterhin ein Rätsel. Und was ist mit „From“ auf MGM+? Diese Serie, die oft mit „Lost“ verglichen wird, folgt den Bewohnern eines unheimlichen Ortes, der Menschen einfängt, sobald sie ihn betreten. Nachts patrouillieren zudem schreckliche Monster am Rande und suchen nach Entkommenden. „From“ beantwortet also jede Frage mit einer Handvoll neuer Fragen – ein Muster, das leider allzu vertraut ist.

Die rettung im kinofilm

Die rettung im kinofilm

Natürlich sind diese verschachtelten Plots unterhaltsam. Die Twists in „Paradise“ halten das Publikum Woche für Woche gefesselt, und „Yellowjackets“ faszinierten mit ihren mysteriösen Symbolen und paranormalen Albträumen. Doch es braucht keine komplizierten Handlungsstränge, um uns zu unterhalten. Der Schlüssel liegt in der einfachen, effektiven Angst.

Die jüngsten Indie-Horrorfilme zeigen den Weg. „Barbarian“ spielte mit der einfachen Idee eines Monsters, das im Keller eines Airbnb lauert. „Weapons“ entpuppte sich als Geschichte über eine Hexe. „Nope“ präsentierte eine klassische Alien-Offenbarung, ähnlich wie in „Signs“, und Ari Aster’s „Hereditary“ ließ das schreckliche Hintergrundwissen einfach brodeln und so eine perfekte Atmosphäre der Beklommenheit erzeugen. Das Publikum braucht keine komplizierten Erklärungen. Manchmal reicht ein guter Schreck.