Hitzewelle und medikamente: gefahr für psychisch kranke?
Die Sonne brennt, die Temperaturen steigen – ein willkommener Sommer für viele. Doch für Betroffene psychischer Erkrankungen, die Medikamente einnehmen, birgt die aktuelle Hitzewelle eine potenzielle Gefahr. Experten warnen: Bestimmte Arzneimittel können die Körpertemperaturregulierung beeinträchtigen und das Risiko für hitzebedingte Komplikationen erhöhen.

Welche medikamente sind betroffen?
Insbesondere Antidepressiva und Antipsychotika, vor allem ältere Vertreter wie trizyklische Antidepressiva, können die Fähigkeit des Körpers, auf Hitze zu reagieren, stören. Sie können verstärktes Schwitzen verursachen und so den Flüssigkeitsverlust beschleunigen. Dies führt zu einem erhöhten Risiko für Dehydration und andere hitzebedingte Beschwerden. Auch die Wahrnehmung von Durst kann beeinträchtigt sein, wodurch die Betroffenen möglicherweise nicht ausreichend trinken.
Dr. Wendy Burn, ehemalige Leiterin des Royal College of Psychiatrist, weist darauf hin, dass nicht alle Antidepressiva diesen Effekt haben. Allerdings gibt es Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen trizyklischen Antidepressiva, Antipsychotika und hitzebedingten Erkrankungen. Moderne Antidepressiva, wie selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRIs) und Serotonin-Norepinephrin-Wiederaufnahmehemmer (SNRIs), scheinen weniger problematisch zu sein, auch wenn Vorsicht geboten ist.
Das britische Mental-Health-Unterstützungsorganisation Mind hat ebenfalls auf die Problematik aufmerksam gemacht und daran erinnert, dass das Absetzen von Medikamenten ohne ärztlichen Rat gefährlich sein kann. „Einige psychische Medikamente, einschließlich einiger Antidepressiva und Antipsychotika, können es Ihrem Körper erschweren, die Körpertemperatur in der Hitze zu regulieren“, so Mind in einem Instagram-Post.
Was also tun? Die Empfehlungen sind klar: ausreichend Wasser trinken, sich kühl halten, direkte Sonneneinstrahlung vermeiden und besonders auf vulnerable Angehörige achten. Bei Symptomen wie Schwindel, Verwirrung, Übelkeit oder starker Müdigkeit sollte man sich in einen kühleren Ort begeben, Wasser trinken und gegebenenfalls ärztlichen Rat einholen.
Es ist wichtig zu betonen, dass diese Informationen keine ärztliche Beratung ersetzen. Bei Bedenken bezüglich der Einnahme von Medikamenten in der Hitze sollte man unbedingt den Hausarzt oder einen Apotheker konsultieren. Denn die Gesundheit steht auch im Sommer an erster Stelle.
Die aktuelle Hitzewelle ist ein deutlicher Weckruf. Nicht nur für die breite Bevölkerung, sondern insbesondere für Menschen mit psychischen Erkrankungen, die auf ihre Medikamente angewiesen sind. Ein umsichtiger Umgang mit Medikamenten und eine erhöhte Achtsamkeit auf den eigenen Körper können helfen, die Risiken zu minimieren und den Sommer in vollen Zügen zu genießen.